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Der Zigeunerbaron
vom: 04.12.2016 10:53 Uhr | Angesehen: 6090


Operette von Johann Strauß



Text nach einer Erzählung des Mór Jókai von Ignaz Schnitzer
Einrichtung von Frank Bernd Gottschalk



Uraufführung am 24. Oktober 1885 in Wien
Premiere am 3. Dezember 2016 in Hildesheim
Aufführungsd auer ca. 2 Stunden 45 Minuten, inklusive einer Pause



Musikalische Leitung Achim Falkenhausen
Inszenierung Frank-Bernd Gottschalk
Bühne und Kostüme Michael Goden
Chöre Achim Falkenhausen
Mit Peter Kubik (Graf Peter Homonay), Uwe Tobias Hieronimi (Conte
Carnero), Konstantinos Klironomos/Dirk Konnerth (Sandor Barinkay), Levente György (Kálmán Zsupán), Martina Nawrath (Arsena), Neele Kramer (Mirabella), Aljoscha Lennert (Ottokar), Sandra Fechner (Czipra), Arantza Ezenarro/Theresa Sommer (Saffi), Michael Farbacher (Pali), Michael Farbacher/Jesper Mikkelsen (Ein Notar), Stephan Freiberger/Jesper Mikkelsen (Ein Landvermesser), Harald Strawe (Ein Gendarm), Opernchor, Orchester und Statisterie des TfN



Vorweg ist zu bemerken, es war eine in sich harmonische, gelungene Aufführung.
Getragen von den Bühnenbildern, den Darstellern und nartürlich vom Orchester!



Einzig allein der Chorgesang empfand ich streckenweise "übersteuert, schrammelig", warscheinlich war es nur die pure Begeisterung die die Protagonisten dazu verleitet hat mit mehr Inbrunst an den jeweiligen Interpretionen sich zu beteiligen.



Uneingeschränkt verbleibt: ein Besuch lohnt sich in jedem Fall!



 



  Sandor Barinkay (K. Klironomos), Chor              Kálmán Zsupán (L. György)



 






 



Sandor Barinkay (K. Klironomos),                    Saffi (A. Ezenarro)                                           
(K. Klironomos)                                                
Sandor Barinkay



 



„Die beliebten Melodien sind alle drin“




Dirigent Achim Falkenhausen spricht über Johann Strauß, André Rieu und sogenannte Zigeunermusik
Was hält die Musik von Johann Strauß ewig jung? So etwas ist immer schwer zu beantworten. Auf jeden Fall hat Strauß einen Nerv getroffen, der auch bei Leuten von heute noch vorhanden ist. Das Hauptgeheimnis seines Erfolges ist sicher, dass er Ohrwürmer geschrieben hat – genau wie Verdi. Das hat man einmal gehört und kriegt es anschließend nicht mehr aus dem Kopf. Auch Neujahrskonzerte in Wien und anderswo haben dazu beigetragen, dass Strauß mit seiner Musik präsent geblieben ist. Auch der umstrittene André Rieu hält, trotz allem, seine Musik in den Ohren der Menschen lebendig.
Darf man Strauß auf Walzer reduzieren? Ja, kann man – wenn man alles mitnimmt, also auch Polkas, Märsche, Quadrillen. Sozusagen „Walzer plus“. Auch aus vielen seiner Operetten sind die Walzer bekannt, er hat sie ja als Konzertwalzer einzeln aufgeführt. Zum Beispiel den „Schatz“-Walzer op. 418 aus dem „Zigeunerbaron“. Aber was heißt „reduzieren“? Wer so geniale Walzer schreibt, ist und bleibt zu Recht der Walzerkönig. Da kommt keiner ran.



 





Sandor Barinkay (K. Klironomos),                                               Graf Peter Homonay (P.Kubik), Sandor Barinkay
Graf Peter Homonay (P. Kubik)                                                    (K. Klironomos), Saffi (A. Ezenarro), Chor




Da die Operette „Der Zigeunerbaron“ heißt, gibt es darin vor allem Zigeunermusik. Stimmt das? Musikwissenschaftlich betrachtet gibt es überhaupt keine Zigeunermusik. Übrigens verstehe ich das Wort nicht negativ. Das Wort „Zigeuner“ spreche ich mit größter Hochachtung aus, denn Zigeuner sind hochmusikalische Menschen. Denn nicht Worte beleidigen, sondern die Gesinnung, die hinter den Worten steht. Zigeuner haben sich immer an der Musik orientiert, die dort gespielt wurde, wo sie leben. Das spiegelt sich auch in den verwendeten Instrumenten wider. Sinti und Roma in Rumänien haben die Panflöte, in Ungarn dagegen die Geige, in Russland das Akkordeon und in Spanien die Gitarre. Zigeunermusik heißt für mich: hohe Virtuosität und große Improvisationskunst. Im „Zigeunerbaron“ sehen wir aber keine klassische Zigeunerkapelle. Was wir gewöhnlich als Zigeunermusik empfinden, ist eigentlich ungarische Musik, im weiteren Sinn dann auch „Zigeunermusik“, weil sich bestimmte Idiome wiederholen.
Strauß wollte so gern Opern komponieren. Ist „Der Zigeunerbaron“ nun Operette oder komische Oper? Es steht Operette drauf, also ist es Operette. Entscheidend ist doch nur, wie ich es mache. Wenn ich nicht gut dirigiere, ist es nicht gut. Es ändert sich doch nichts, ob ich eine Operette oder eine Opera buffa leite. Ich bin gegen das ganze Begriffsgeschachere. Was war zuerst da: die Musik oder die Wissenschaft? Die Frage kann man beantworten, bei Ei und Henne ist das schwieriger.
Wieso streicht man eigentlich musikalische Nummern aus der Partitur heraus? Die Zeit ist ein Thema. Wir müssen uns immer fragen, wie lange darf ein Stück dauern. An
zweidreiviertel Stunden inklusive Pause sind Zuhörer gewöhnt. So überlegt man sich, wo man etwas auslassen oder zusammenfassen kann, ohne den dramaturgischen Ablauf zu stören. Es ist auch eine Frage der Rezeptionsgeschichte. Bestimmte Nummern wurden für bestimmte Sänger komponiert, um ihnen einen Gefallen zu tun. Aber ist das immer auf der Höhe der anderen Stücke? Auch nachkomponierte Nummern etwa für spezielle Aufführungsorte darf man getrost streichen, weil sie ursprünglich vom Komponisten nicht gewollt sind. Aber keiner muss Sorge haben, die beliebten Melodien sind alle drin.
Gibt es Besonderheiten in der Besetzung des Orchesters? Nein, Strauß verwendet das klassische Orchester, also ohne Cymbal. Es gibt auch kein großes Geigen-Solo und keine Zigeunerkapelle. Das kommt alles erst später, zum Beispiel in Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“.
Kann man sagen, dass Strauß die Personen des Stücks in seiner Musik charakterisiert? Eigentlich nicht, jedenfalls nicht im Sinne Richard Wagners. Nur Graf Homonay ist durch das Werber-Lied charakterisiert, das ist ein Verbunko, aus dem sich der Czárdás entwickelt hat. Mit dem Werber-Lied „Her die Hand, es muss ja sein“ werden die Soldaten für den Krieg angeworben. Der Heimkehrer Barinkay, das Zigeunermädchen Saffi, die Zigeunerin Czipra oder Vater und Tochter Zsupán singen dagegen Walzer und Musik ungarischer Farbe. Die Figuren werden durch das Libretto charakterisiert, weniger durch die Musik.
Hast Du einen CD-Tipp, eine Empfehlung für eine herausragende Einspielung? Meine Interpretation ist noch nicht eingespielt, das wäre die beste Aufnahme. (Lacht.) Im Ernst, es gibt keine Einspielung, bei der wirklich jede und jeder überzeugt. Am liebsten mag ich die Aufnahmen des Wiener Violinisten und Dirigenten Willi Boskovsky. Er stand noch in der Tradition der Straußschen Musizierweise – mit der Geige vor dem Orchester.
Das Gespräch führte Roland Mörchen.








































































Premierenbesetzung

 

 


Rolle




Besetzung



Graf Peter Homonay

Peter Kubik

Conte Carnero

Uwe Tobias Hieronimi

Sándor Barinkay

Konstantinos Klironomos

Kálmán Zsupán

Levente György

Arsena

Martina Nawrath

Mirabella

Neele Kramer

Ottokar

Aljoscha Lennert

Czipra

Sandra Fechner

Saffi

Arantza Ezenarro

Pali

Michael Farbacher

Ein Landvermesser

Stephan Freiberger

Notar

Michael Farbacher

Ein Gendarm

Harald Strawe

Opernchor, Orchester und Statisterie des TfN


 





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